Von den Anfängen der Familien: Schulzen, Brüdigam und Bruß,
zur Professionalisierung durch Paul Hirsch, bis heute ...
Im Jahr 1876 wurde unsere Feuerwehr durch die Schulzen, Brüdigam und Bruß ins Leben gerufen. Sie formten aus engagierten Bürgern und Häuslern eine schlagkräftige Truppe, die fortan für den Brandschutz im Ort verantwortlich war.
Nur vier Jahre später, 1880, entstand das erste Gerätehaus. Gleichzeitig wurde die erste Handdruckspritze angeschafft – ein großer Fortschritt für die damalige Zeit.
Die Professionalisierung der Freiwilligen Feuerwehr Graal‑Müritz beginnt mit einem Mann, der bis heute als prägende Persönlichkeit gilt:
"Paul Hirsch".
Als engagierter Bürger erkannte er früh die Notwendigkeit einer organisierten Brandbekämpfung im damals noch jungen Ostseebad. Mit wenigen Männern, einfachen Handpumpen und großer Entschlossenheit legte er den Grundstein für das, was später zur Freiwilligen Feuerwehr Graal‑Müritz werden sollte.
Die ersten Einsätze waren geprägt von Improvisation, aber auch von Gemeinschaftssinn. Die Feuerwehrleute rückten mit Pferdewagen aus, Wasser musste oft aus Brunnen oder offenen Gräben entnommen werden. Dennoch gelang es ihnen, die Sicherheit im Ort spürbar zu verbessern.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Feuerwehr zu einer festen Institution im Ostseebad.
Doch aufgrund der damaligen verwaltungstechnischen Struktur verlief diese Entwicklung zunächst zweigleisig:
Die Feuerwehren in Graal und Müritz bestanden getrennt voneinander und organisierten Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzabläufe jeweils eigenständig.
Ein bedeutender Schritt erfolgte 1931, als im Erholungsheim der Berliner Verkehrsgesellschaft eine moderne Betriebsfeuerwehr eingerichtet wurde.
Sie verfügte über eine mobile Magirus-Leiter und einen TSA‑Anhänger – für die damalige Zeit ein hochmodernes technisches Niveau, das die Einsatzmöglichkeiten im Ort deutlich verbesserte.
1938 kam eine weitere technische Neuerung hinzu: die erste Motorspritze vom Typ „Flader“. Sie ermöglichte eine schnellere Wasserförderung und erhöhte die Schlagkraft der Wehr erheblich.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Lage grundlegend.
1941 wurden beide Wehren in den Schutz der Hansestadt Rostock eingebunden. Die Ausrüstung wurde durch ein ausgemustertes Fahrzeug ergänzt, doch die personelle Situation verschlechterte sich zunehmend.
Viele Feuerwehrleute wurden eingezogen, andere mussten ersetzt werden. Einsätze fanden unter schwierigen Bedingungen statt, und die Feuerwehr übernahm zusätzlich Aufgaben des Bevölkerungsschutzes, darunter Luftschutzmaßnahmen, Brandwachen und Unterstützung bei Evakuierungen.
Trotz aller Herausforderungen blieb die Feuerwehr ein verlässlicher Bestandteil des Gemeindelebens – getragen von den Männern, die trotz widriger Umstände ihren Dienst fortführten.
1945 war ein Jahr des Neuanfangs.
Der Krieg hatte tiefe Spuren hinterlassen – auch bei der Feuerwehr. Fast die gesamte Löschtechnik war verloren gegangen, viele Geräte zerstört oder verschwunden. Nur wenige Schläuche und einzelne Ausrüstungsgegenstände hatten die Kriegsjahre überstanden.
Der Brandschutz im Ort wurde in dieser schwierigen Zeit von nicht wehrfähigen Bürgern aufrechterhalten, die trotz widrigster Bedingungen Verantwortung übernahmen.
Ein kleines, aber bedeutendes Glück war die Wiederentdeckung einer versteckten Tragkraftspritze TS 8, die während der letzten Kriegsmonate verborgen worden war.
Mit großem Engagement wurde sie geborgen, repariert und wieder einsatzfähig gemacht – ein erster Schritt zurück zu einer funktionierenden Feuerwehr.
Mangels Fahrzeugen musste die Ausrüstung zunächst notdürftig auf Fahrradanhängern transportiert werden. Diese provisorischen Lösungen prägten die ersten Jahre nach dem Krieg, doch sie zeigten auch den starken Willen der Bevölkerung, den Brandschutz wieder aufzubauen.
Mit der Zeit formierte sich die Feuerwehr unter neuer Führung neu. Die Ausbildung wurde vereinheitlicht, Dienstabläufe strukturiert und die Kameradschaft rückte stärker in den Mittelpunkt. Die Jahre des Wiederaufbaus waren geprägt von Improvisation, aber auch von Zusammenhalt und dem festen Willen, die Feuerwehr wieder zu einer verlässlichen Institution zu machen.
In dieser Phase entstand auch der Gedanke, die Feuerwehr stärker in das Gemeindeleben einzubinden. Feste, Veranstaltungen und öffentliche Übungen wurden zu wichtigen Elementen der neuen Öffentlichkeitsarbeit. Die Feuerwehr zeigte Präsenz, demonstrierte ihre Fähigkeiten und gewann so das Vertrauen der Bürger zurück. Zwischen 1945 und 1960 entwickelte sich die Wehr Schritt für Schritt von einer notdürftig ausgestatteten Nachkriegsorganisation zu einer strukturierten, modernen Einheit – getragen von Menschen, die mit Mut und Engagement den Wiederaufbau vorantrieben.
Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von einem tiefgreifenden Wandel und einer stetigen Modernisierung der Feuerwehr Graal‑Müritz. Nach den schwierigen Nachkriegsjahren begann eine Phase, in der Technik, Organisation und Nachwuchsarbeit entscheidend vorangetrieben wurden.
Bereits in den 1950er Jahren wurden wichtige Grundlagen geschaffen. Eine Sirene zur Alarmierung wurde installiert – ein großer Fortschritt, denn zuvor mussten die Kameraden mit einem einfachen Signalhorn auf dem Fahrrad alarmiert werden. Diese neue Technik verbesserte die Einsatzbereitschaft erheblich und markierte den Beginn einer modernen Alarmierungsstruktur.
Ein historischer Meilenstein folgte 1954:
Durch eine Verwaltungsreform wurden die bis dahin getrennt agierenden Feuerwehren von Graal und Müritz zusammengelegt. Aus zwei eigenständigen Wehren entstand die gemeinsame Feuerwehr Graal‑Müritz – eine Einheit, die fortan ihre Kräfte bündelte und gemeinsam für die Sicherheit des Ostseebades einstand.
Die technische Basis bildete zu dieser Zeit ein Löschfahrzeug vom Typ „Granit“ mit einer TS 8, das die Einsatzmöglichkeiten deutlich verbesserte.
Nur wenige Jahre später, 1957, wurde der Fuhrpark durch ein weiteres Fahrzeug ergänzt: ein „Garant“‑Löschfahrzeug mit Schlauchtransportanhänger, das die Schlagkraft der Wehr weiter erhöhte.
Auch die Nachwuchsarbeit entwickelte sich:
1958 wurde die erste Jugendfeuerwehr gegründet – damals unter dem Namen „Junge Brandschutzhelfer“.
Diese Gruppe legte den Grundstein für eine strukturierte Jugendarbeit, die bis heute ein zentraler Bestandteil der Feuerwehr Graal‑Müritz ist.
In den folgenden Jahrzehnten setzte sich die Modernisierung fort:
neue Löschfahrzeuge erweiterten die Einsatzmöglichkeiten
die persönliche Schutzausrüstung wurde verbessert
die Funktechnik hielt Einzug und revolutionierte die Kommunikation
das Gerätehaus wurde ausgebaut und den wachsenden Anforderungen angepasst
Mit diesen Entwicklungen wurde die Feuerwehr Graal‑Müritz zu einer leistungsfähigen Einheit, die nicht mehr nur Brände bekämpfte, sondern zunehmend auch technische Hilfeleistungen übernahm – von Verkehrsunfällen über Sturmschäden bis hin zu komplexen Rettungseinsätzen.
Die Feuerwehr entwickelte sich in dieser Zeit zu einer modernen, vielseitigen und gut ausgebildeten Organisation, die den steigenden Anforderungen einer wachsenden Gemeinde gerecht wurde.
1968 zog die Feuerwehr in ein neues Gebäude an der Langen Straße. Dies ist bis heute unser Standort.
1985 wurde uns der Ehrenname „Paul Hirsch“ verliehen.
Mit der Wiedervereinigung änderten sich Strukturen und Anforderungen grundlegend.
Die Feuerwehr Graal‑Müritz wurde stärker in überregionale Alarmierungs‑ und Einsatzkonzepte eingebunden und arbeitete zunehmend mit umliegenden Feuerwehren und Leitstellen zusammen. Die Einsatzvielfalt nahm zu, und die Anforderungen an Ausbildung und Technik stiegen deutlich.
Trotz der politischen Umbrüche im Jahr 1989 entstanden neue, bis heute prägende Freundschaften und Partnerschaften.
Besonders eng wurde die Verbindung zu den Feuerwehren aus Goch, Hamburg und vor allem Flüggendorf, mit der die Feuerwehr Graal‑Müritz bis heute eine lebendige und herzliche Partnerschaft pflegt. Gemeinsame Übungen, gegenseitige Besuche und ein intensiver Erfahrungsaustausch prägten diese Zeit und stärkten die Kameradschaft über Landesgrenzen hinweg.
Ein bedeutender Meilenstein folgte 1990–1992:
Der Ausbau des Gerätehauses wurde vollständig in Eigenleistung realisiert. Mit über 5.400 Arbeitsstunden schufen die Kameradinnen und Kameraden einen modernen Standort mit:
Versammlungsraum
Sanitärtrakt
Arbeits‑ und Lagerbereichen
Dieser Ausbau war ein Symbol für den Zusammenhalt der Wehr und zeigte eindrucksvoll, wie stark das Ehrenamt in Graal‑Müritz verankert ist.
Auch technisch entwickelte sich die Feuerwehr weiter. 1995 wurde die Partnerschaft mit Flüggendorf offiziell besiegelt – ein Zeichen der Verbundenheit und gegenseitigen Unterstützung. Im selben Jahr erhielt die Feuerwehr neue Einsatztechnik:
einen Renault‑Traffic als Vorrausrüstwagen (VRW)
eine Drehleiter DL 30 auf W50‑Fahrgestell
Diese Fahrzeuge erweiterten die Einsatzmöglichkeiten erheblich und markierten den Übergang zu einer modernen, vielseitigen Feuerwehr.
Parallel dazu gewann die Jugendfeuerwehr zunehmend an Bedeutung. Sie eröffnete jungen Menschen den Weg ins Ehrenamt und wurde zu einem zentralen Bestandteil der Nachwuchsarbeit.
Die Ausbildung wurde umfangreicher und professioneller: Atemschutz, technische Hilfeleistung, Funk, Erste Hilfe und viele weitere Module machten die Feuerwehrleute zu vielseitigen Einsatzkräften, die den wachsenden Anforderungen der Zeit gewachsen waren.
Die Jahre nach der Wiedervereinigung waren geprägt von Modernisierung, Partnerschaft und dem Ausbau einer starken Gemeinschaft – eine Phase, die die Feuerwehr Graal‑Müritz nachhaltig prägte und den Weg in die heutige Zeit ebnete.
1997: Das neue Haus wird bezogen – mit vier Stellplätzen, Werkstatt und Schulungsräumen (weiter ausgebaut bis 2002 in Eigenleistung).
1,8 Mio. DM Baukosten, davon 40 % vom Land getragen.
Die Feuerwehr Graal‑Müritz begann ab den frühen 2000er‑Jahren, ihre Arbeit deutlich stärker öffentlich sichtbar zu machen. Mit einer eigenen Website, später Facebook, Instagram und WhatsApp‑Kanälen, öffnete sich die Wehr der digitalen Welt. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde professioneller und transparenter.
Unter der Aufsicht des Wehrführers Thomas Kröppelien entstand ein engagiertes Team, das Einsätze dokumentiert, Veranstaltungen begleitet und die Feuerwehr im digitalen Raum repräsentiert. Die Feuerwehr wurde dadurch nicht nur moderner, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger besser erreichbar und sichtbarer.
Doch bevor die digitale Ära begann, prägten mehrere wichtige Ereignisse die späten 1990er‑ und frühen 2000er‑Jahre:
1999–2000: Eine herausfordernde Brandserie
In den Jahren 1999 und 2000 wurde die Feuerwehr Graal‑Müritz durch eine Brandserie besonders gefordert. Die Einsätze waren intensiv, häufig und verlangten den Kameradinnen und Kameraden viel ab.
Als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit lud der Bürgermeister alle beteiligten Wehren zu einem großen Ball ein – ein Moment, der die Wertschätzung der Gemeinde gegenüber ihrer Feuerwehr eindrucksvoll zeigte.
2003: 675 Jahre Graal‑Müritz – wir mittendrin
Im Jahr 2003 feierte Graal‑Müritz sein 675‑jähriges Jubiläum. Die Feuerwehr war selbstverständlich ein zentraler Teil der Feierlichkeiten: mit Vorführungen, Präsentationen und einer starken Präsenz im Festumzug. Die Wehr zeigte sich als traditionsreiche, moderne und lebendige Institution des Ostseebades.
2005: Das neue Feuerwehrboot „Seestern“
Ein weiterer Meilenstein folgte 2005:
Die Feuerwehr erhielt ein neues Feuerwehrboot, das feierlich auf den Namen „Seestern“ getauft wurde. Das Boot erweiterte die Einsatzmöglichkeiten auf dem Wasser erheblich – ein wichtiger Schritt für ein Ostseebad wie Graal‑Müritz.
2006: 130 Jahre Feuerwehr – ein Fest der Gemeinschaft
Im Jahr 2006 feierte die Feuerwehr Graal‑Müritz ihr 130‑jähriges Bestehen.
Ein großer Festumzug, zahlreiche Gäste, befreundete Wehren und ein festlicher Ball machten dieses Jubiläum zu einem Höhepunkt der jüngeren Feuerwehrgeschichte. Die Feier zeigte eindrucksvoll, wie tief die Feuerwehr in der Gemeinde verwurzelt ist und wie stark die Kameradschaft über Generationen hinweg trägt.
Der Übergang in die digitale Zeit
Mit diesen prägenden Jahren im Rücken begann die Feuerwehr, ihre Arbeit zunehmend digital sichtbar zu machen. Die Einführung von Website, Social Media und modernen Kommunikationswegen war ein logischer Schritt in die Zukunft.
Das Öffentlichkeitsarbeitsteam dokumentiert seither:
Einsätze
Ausbildungen
Veranstaltungen
Jubiläen
Nachwuchsarbeit
Technik und Modernisierung
Damit präsentiert die Feuerwehr Graal‑Müritz ihre Arbeit transparent, zeitgemäß und bürgernah – und stärkt gleichzeitig das Ehrenamt in der Gemeinde.
Um die Feuerwehr in Bereichen zu unterstützen, die nicht im kommunalen Hoheitsbereich liegen, wurde der Förderverein Freiwillige Feuerwehr „Paul Hirsch“ Graal- Müritz e. V. gegründet.
Sein Ziel:
Mitgliedergewinnung
Förderung der Kinder- und Jugendfeuerwehr
Unterstützung bei Ausbildung & Weiterbildung
Stärkung des Ehrenamts
Finanzierung von Projekten, die die Gemeinde nicht abdecken kann
Der Verein trägt den Namen des Gründers – ein Zeichen dafür, wie stark seine Persönlichkeit die Feuerwehr geprägt hat.
Heute ist die Freiwillige Feuerwehr Graal‑Müritz eine moderne, leistungsfähige und gut ausgebildete Einheit.
Sie verbindet Tradition und Fortschritt, Ehrenamt und Professionalität, Ortsverbundenheit und moderne Technik.
Die Feuerwehr steht für:
schnelle Hilfe
starke Kameradschaft
Nachwuchsförderung
Engagement für die Gemeinde
transparente Öffentlichkeitsarbeit
Und sie trägt den Geist von Paul Hirsch weiter – den Mut, Verantwortung zu übernehmen und für andere da zu sein.